Calgary Flughafen

Ankunft in Kanada

Damit wenigstens dieses mal alles glatt läuft, stehen wir um 8 Uhr morgens auf und begeben uns anschließend zur Frühstückseinnahme. Hier betrachten wir zunächst interessiert die Auswahl, die sich uns am Büfett bietet. Das Angebot ist reichlich und besteht aus klassischem kontinentalem, englischem und japanischem(!) Frühstück.

Nach einem Blick in die Runde, der uns darüber aufklärt, dass das Gros der Gäste offensichtlich aus dem asiatischen Inselstaat stammt, wundert uns das nicht mehr. Da wir aber nicht erkennen können, woraus das japanische Frühstück besteht, und wir im Moment noch zu keinen Experimenten bereit sind, ziehen wir es vor, Rührei mit Speck und Käsetoast zu kombinieren. Wieder einmal muß ich feststellen, dass man mit solch einem Frühstück richtig gestärkt in den Tag geht. Das war uns schon letztes Jahr in Schottland aufgefallen. Dort hatten wir stets reichhaltiges englisches Frühstück mit Eiern und Schinken, Toast und manchmal – von uns liebevoll „BSE-Würstchen“ genannte – Fleischerzeugnissen geboten bekommen, und meistens hatten wir hinterher kein Mittagessen mehr gebraucht.

Irgendeiner unserer älteren Mit-Hinterbliebenen meinte am Vorabend verstanden zu haben, dass uns am heutigen Morgen erneut um 11 Uhr ein Bus abholen und zum Flughafen bringen würde. Darauf verlassen wir uns geschickterweise aber nicht, erkundigen uns an der Rezeption nach den Shuttle-Bussen, die offensichtlich alle halbe Stunde verkehren, und begeben uns dann um 9 Uhr 55 aus dem Hotel zur Bushaltestelle. Dort treffen wir dann zwei Pärchen mittleren Alters, die auch mit uns gekommen sind, und die gar nicht glücklich aussehen. Sie stehen hier nämlich schon etwas länger und waren von dem Bus zuvor nicht mitgenommen worden, weil die Beförderungsgutscheine, die man ihnen auf dem Flughafen gegeben hatte, ungültig sind! Wir überprüfen sofort unsere, stellen aber fest, dass der Abriß noch dran ist. Unsere Freunde mußten somit erst Bargeld holen, um die Fahrt nun Cash bezahlen zu können!

Der Bus kommt dann auch um 10 Uhr 15 und nimmt uns alle mit Richtung Heathrow. Es dauert eine glatte Stunde, bis wir das Terminal 3, von dem aus unser Ersatzflug gehen soll, erreichen. Wir hatten bei der Fahrt beinahe den Eindruck, eine Sightseeing-Tour über das Flughafengelände zu machen, so kurvte der Bus da herum. Zunächst wurden nacheinander die Terminals 4, 1 und dann 2 angefahren, bis wir dann endlich an der Reihe waren.

Um 11 Uhr 30 können wir dann an einem Air Canada-Schalter einchecken. Hier stellt man uns zum ersten mal so komische Fragen wie: „Haben Sie die Koffer gepackt?“ oder „Sind Elektrogeräte enthalten?“ und „Ist der Haartrockner Ihr eigener und haben Sie ihn schon einmal benutzt?“.

Klingt zum Teil recht merkwürdig, hat aber wohl einen Sinn, der sich hoffentlich nicht nur in einer Alibifunktion gegenüber gesetzlichen Vorschriften zur Sicherheit auf dem Flughafen erschöpft.

Die Zeit bis zum „Boarding“ eine Stunde vor Abflug erscheint uns dann recht lang und auch weilig. Die Shoppinghalle haben wir schnell durchquert und alle Highlights bewundert. Als der kleine Hunger sich dann meldet, bekommen wir bei Burger King nichts zu essen, weil die nur Bargeld wollen. Höflich weist man mich auf einen Geldautomaten hin. Aber im Bistro nebenan erhalten wir eine Pizza und Cola auf Kredit.

Endlich können wir dann pünktlich an Bord, aber der Abflug verzögert sich noch um eine halbe Stunde. Immerhin: Wir sind schon mal im Flugzeug! Hier kriegt uns keiner mehr raus!

Es handelt sich um einen Airbus A 340, ein wirklich schickes, sauberes und modernes Flugzeug. Allerdings sitzen wir im Mittelteil in einer Viererreihe mit einem weiteren zurückgelassenen deutschen Paar, Jasmin rechts außen und ich daneben. Wir hätten uns auf solch einem langen Flug etwas mehr Beinfreiheit gewünscht, aber es läßt sich aushalten. Kaum hingesetzt ziehe ich erst mal meine Schuhe aus, nicht ohne vorher meine Nachbarin zu meiner Linken vorzuwarnen. Es riecht dann auch wirklich nicht besonders gut, aber es muß sein.

Der Kapitän teilt uns mit, dass der Flug etwa 8 Stunden und 15 Minuten dauern wird und in Calgary eine Temperatur von 20 °C herrscht. Wir frohlocken schon ob dieser rosigen Aussichten.

Nach dem Chicken-Mittagessen aus der Airbus-Mikrowelle hören wir um 11 Uhr 45 Calgary-Ortszeit (wir haben unsere Uhren schon früh umgestellt, um uns an die neue Zeit zu gewöhnen) aus einem Gespräch unserer Sitznachbarn mit einer weiteren Mit-Gestrandeten ein neues Gerücht, unser gestriges Pech betreffend. Von einer Stewardeß hat man erfahren, dass dieser Flug, in dem wir nun sitzen, am Vortag ausgefallen war, und man wohl versucht hatte, die etwa 200 Fluggäste auf die restlichen drei abendlichen Flüge zu verteilen. Dabei mußten wir das Nachsehen haben. Wir versuchen nur, nicht darüber nachzudenken, warum dieses Flugzeug tags zuvor nicht gestartet war…

Leider haben wir keine Fensterplätze und können so nur hin und wieder an unseren rechten Nachbarn vorbei durch das Fenster einige Blicke auf die Eiswüsten Nordkanadas werfen.

Nach einem sehr ruhigen und angenehmen Flug ohne Turbulenzen landen wir um 17 Uhr 21 dann endlich in Calgary.

Calgary AirportCalgary hat einen recht kleinen Flughafen. Die Abfertigung geht erfreulich schnell vonstatten, und wir werden freundlich von Leuten in roten Kostümen und mit großen Cowboyhüten begrüßt. Nach der Paßkontrolle und dem Kofferholen fragt uns ein kleiner, älterer, etwas gnubbeliger Herr in ebenfalls dieser (Ver-)Kleidung, ob er uns helfen kann. Ich schüttele zuerst den Kopf, kehre dann aber zu ihm zurück. Schließlich müssen wir nun irgendwie klären, ob wir in unserem gebuchten Hotel noch ein Zimmer bekommen, und wir müssen dem Wohnmobil-Vermieter Cruise Canada eine Nachricht hinterlassen, dass wir das Fahrzeug erst am morgigen Tag abholen werden.

Der freundliche Mann führt mich dann zu einer Informationstafel, auf der zahlreiche Hotels Calgarys samt Telefonnummern abgebildet sind. Von hier aus spreche ich mit dem Travelodge Hotel und erfahre, dass man für uns tatsächlich noch ein Zimmer hat. Cruise Canada kann ich dann von einem Büro aus kostenlos anrufen; leider ist nur noch ein Anrufbeantworter dran, dem ich mit halbwegs zusammengestammelten Sätzen auf englisch zu erklären versuche, worum es geht. Einen Shuttle-Bus zu unserem Hotel organisiert der kleine alte Mensch dann auch noch.

Diese Hilfsbereitschaft ist großartig, für uns eine ganz neue Erfahrung auf internationalen Flughäfen! Darüber, ob er für seine Hilfe vielleicht ein Trinkgeld erwartet, verlieren wir keinen Gedanken. Wir sind nur froh, dass wir alles so schnell und, so gut es ging, klären konnten.

Während der kurzen Fahrt zum Hotel entdecken wir dann auch bereits die Vermietstation von Cruise Canada – und das Hotel liegt gleich daneben. Das ist ja praktisch! Nur unser Zimmer gefällt uns dann nicht ganz so gut. Es ist recht miefig, und man kann zwar eine, wie es scheint recht betagte, Klimaanlage anstellen, die kalte Luft durch den Raum pustet, aber lediglich ein kleines Schiebefenster öffnen, durch das keine Frischluft hereinkommen kann.

Das Hotel ist einfach, aber für 17 Euro pro Nacht und Kopf kann man nicht mehr erwarten, und für eine Nacht halten wir es sicher aus.

Nach einer kurzen Ruhepause und dem Frischmachen nehmen wir unser erstes kanadisches Abendessen in Riley’s Restaurant ein, das zum Hotel gehört. Und was kann es anders sein, als Steak und Burger! Dazu trinken wir echtes Ice-brewed Canadian Beer, echt lecker! Dabei essen wir normalerweise zu dieser Uhrzeit gar nichts mehr bzw. noch nichts, denn in Deutschland ist es jetzt gerade fünf Uhr morgens!

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