Wells Gray Provincial Park

Auf dem Weg zum Wells Gray Provincial Park

Heute verlassen wir Jasper und machen uns auf in Richtung Wells Gray Provincial Park. Zunächst aber frühstücken wir um halb zehn in Ruhe unser übliches Kaffee-Müsli-Brot-mit-Nutella-Frühstück. Anschließend verlassen wir den Campingplatz, um noch einmal aufzutanken, bevor es wieder auf den Highway geht.

Gleichzeitig lasse ich den Ölstand kontrollieren, der aber völlig in Ordnung ist. Beim Bezahlen sehe ich in dem zugehörigen Tankstellenshop eine Trillerpfeife, die ich nach der knurrigen Erfahrung von gestern gleich mitnehme. Kerzen packe ich noch ein, und Streichhölzer finde ich auch. Allerdings nur eine Megapackung mit mindestens tausend Stück drin. Auf meine Frage an die Verkäuferin, ob sie nicht noch kleinere Packungen haben, greift sie hinter sich in einen Korb und drückt mir eine Handvoll Gratis-Streichholzheftchen in die Hand.

Um 11 Uhr geht es dann endlich los, zunächst über den Highway 16 zum Mt. Robson Provincial Park. Wir folgen dem Lauf des Miette River durch eine sehr bunte Gegend, wo schon der Indian Summer Einzug hält. Wir kommen am Moose Lake vorbei, wo angeblich viele Elche leben sollen, aber der einzige Elch, den wir während der ganzen Fahrt erblicken, ist der auf einem Warnschild.

Wir fahren an dem markanten Eingang des Parks vorbei und stoppen am Mt. Robson Info Centre, das nicht weit vom Fuß dieses höchsten kanadischen Berges liegt. Den Gipfel bekommen wir leider nicht zu sehen; auch heute ist er, wie die meiste Zeit des Jahres, von Wolken umhüllt.

Nach einigen weiteren Kilometern halten wir an den Rearguard Falls, um dort die springenden Lachse zu beobachten. Es soll jetzt genau die richtige Zeit dafür sein, aber wir sehen nur schäumendes Wasser und keinen einzigen Fisch. Wir haben ein Glück mit Tieren!

Wells Gray TrekBei Tete Jaune Cache biegen wir auf den Yellowhead Highway 5 ab und fahren Richtung Süden über Valemount durch eine nunmehr flachere Gegend. Man merkt, dass wir die Rockies verlassen haben. Die Vegetation hier ist anders; hier dominieren die Laubbäume. Etwa 90 Kilometer vor Blue River verwandelt sich der Highway, auf dem wir mal wieder von den Trucks abgezockt werden, in eine kilometerlange Baustelle. Wir kriechen praktisch über die löchrige Strecke und kommen uns vor wie in einem Mondauto auf der Oberfläche des Erdtrabanten.

In Blue River legen wir einen Kaffeestop im Husky’s Inn ein. Man könnte auch „Pampa Inn“ sagen; Blue River besteht lediglich aus ein paar vereinzelt stehenden Häuschen und einer Tankstelle mit diesem Restaurant. Gott, ist das hier eine gottverlassene Gegend! Hier möchten wir wirklich nicht tot über’m Zaum hängen. Wir gönnen uns Coffee and Pie und machen uns alsbald wieder auf den Weg. Clearwater ist unser Ziel.

Die Gegend wird sanfter, während wir auf dem Highway dem Thompson River folgen. Wir fahren nach Avola hinein und sind einen Moment später auch schon wieder draußen. Ein paar Häuschen nur nennen sich hier Stadt, aber immerhin befindet sich ein deutsches Restaurant darunter.

Wir amüsieren uns über die putzigen Vorgärten, die viele Häuser entlang unserer Route haben. Insgesamt kommen wir hier durch eine echt trostlose Gegend, und das Wetter ist auch recht trostlos. Zwischendurch regnet es immer mal wieder; die Sonne scheint Pause zu machen.

Endlich, um 17 Uhr 15 – dies war die längste und anstrengendste Strecke, die wir bisher gefahren sind – erreichen wir Clearwater. Wir hatten gehofft, hier eine etwas größere Stadt im Stile von Banff oder Jasper vorzufinden, aber da haben wir uns wohl getäuscht. Großzügig verteilt stehen hier ein paar Häuser am Straßenrand, und nach den ersten zehn fragen wir uns: War’s das schon wieder? Langsam fahren wir weiter, bis wir an einer Seitenstraße das Wells Gray Provincial Park NaturInformationszentrum des Wells Gray Provincial Parks entdecken. Es liegt direkt an der Kreuzung des Highway 5 mit der Clearwater Valley Road, die zum Park hineinführt.

Wir erkundigen uns hier nach Campingplätzen und Wandermöglichkeiten, und wir entscheiden uns für das Clearwater Adventure Resort, ein privates Gelände keine hundert Meter entfernt. Wir bezahlen 22 Dollar für eine Nacht mit Strom und Wasser und machen anschließend einen kleinen Rundgang über das Gelände. Es ist schon ein Riesenunterschied zwischen diesem privaten Platz hier und den staatlichen Campgrounds in den Nationalparks. Die Stellplätze hier sind uneben und sehr eng, wohingegen die staatlichen weitaus großzügiger angelegt und meistens auch billiger sind. Der Name Adventure Resort für diesen Campground hier ist sehr hochtrabend, aber auf seine eigene Art hat der Platz schon etwas abenteuerliches. Eine selbstgebaute Minigolfanlage mit teppichartiger Bahnbeschichtung beginnt unter dem Herbsteinfluß zu verkommen, und direkt am Eingang finden wir eine Reihe museumsreifer Landmaschinen. Das witzigste aber ist ein Richtungsweiser, auf dem wir sogar Frankfurt wiederfinden. Obenauf thront Garfield, hat seine Regentschaft aber schon mit einem Bein bezahlt.

Wir schauen uns noch etwas jenseits der Kreuzung um, weil wir vermuten, dass der Ort da erst richtig beginnt, aber hier finden wir außer ein paar Häusern lediglich noch ein kleines Krankenhaus, ein Motel und eine Turnhalle. Der Ort hier soll 4900 Einwohner haben! Ob die alle im Hinterland wohnen?! Uns ist es hier zum Leben zu trostlos. Für so etwas muß man wohl geboren sein.

Hoffentlich ist morgen das Wetter besser, denn wir wollen zum Wells Gray Provincial Park hineinfahren, aber im Info Centre sagte man uns, dass es bis Sonntag so mies bleiben solle. Naja, hoffen wir das Beste.

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