Wells Gray Provincial Park Wälder

Auf Schotterstraßen zum Clearwater Lake

Allen Unkenrufen zum Trotz regnet es heute morgen nicht. Im Gegenteil, es ist sogar recht schön draußen. Trotzdem wird es wieder 11 Uhr, bevor wir nach dem Früstück und dem Tanken in den Wells Gray Provincial Park aufbrechen. Den ersten Halt machen wir gleich am Spahats Creek, nach dem auch der kleine Provincial Park benannt ist, der dem Wells Gray vorgelagert ist.

Vor 400.000 Jahren war dieses Land von mehreren Schichten Lava bedeckt, bevor dann vor 150.000 Jahren in der Eiszeit die Gletscher die Lavaschicht angriffen und den Stein weich machten. Dann entstand der Spahats Creek, der sich in dem nun weichen Gestein seinen Weg bahnte und einen Canyon hineinfraß. Diesen Canyon begleiten wir ein Stück, bis der Bach sich als üppiger Wasserfall in die Tiefe stürzt.

Da mittlerweile wohl ein Japaner-Bus eingetroffen sein muß, fahren wir weiter und kommen an der Buffalo Ranch vorbei, wo wir einige Bisons auf einer Wiese weiden sehen. Weiter geht’s über eine einspurige Holzbrücke, die über den sogenannten First Canyon führt. Wenig später überqueren wir auf ähnliche Weise den Second Canyon. Als wieder eine Brücke in Sichtweite gerät, rätseln wir, wie denn wohl dieser Canyon heiße. Und tatsächlich: Die Brücke führt über den Third Canyon. Wir passieren die Helmcken Falls Lodge, zu der sogar ein Golfplatz gehört, und haben damit zugleich die Grenze zum Wells Gray Provincial Park überquert.

Wells Gray Provincial Park Helmcken WasserfallUnser erstes Ziel hier sind die Helmcken Falls, als welche der Murtle River 137 Meter in die Tiefe stürzt. Sie bieten wirklich einen überwältigenden Anblick, insbesondere die gigantische Wolke aus feinsten Wasserpartikeln, welche die Sturzkante umhüllt. dass die Helmcken Falls ein richtiger Touristenmagnet sind, sieht man schon daran, dass der kleine Parkplatz, in dem die Straße hier endet, übervoll ist. Sogar eine bayerische Reisegesellschaft ist hier, wie wir unschwer den herangetragenen Gesprächsfetzen entnehmen können.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, fahren wir die Straße wieder ein Stück zurück und biegen dann links ab auf eine Schotterstraße, die direkt zum Clearwater Lake hinunter führt. Bereits nach wenigen Metern Fahrt bereue ich unseren Entschluß. Die Fahrt über diese Straße bereitet mir beinahe körperlichen Schmerz, und ich wage kaum schneller als Schrittempo zu fahren. Die Straße ist voller Schlaglöcher und mit Unmengen Schotter bestreut, und die Oberfläche besteht aus kurzen, tiefen Wellen. Überall am und im Wagen rappelt’s und klappert’s. Die Türen der Schränke gehen eine nach der anderen auf und auch wieder zu, die Tassen rasseln und klirren; sogar der Kühlschrank öffnet und schließt sich wieder. Man möchte meinen, hinten im Wagen tollen ein paar Kobolde herum. Aber so lustig finde ich das gar nicht. Ich habe nur Angst um den Wagen, weiß ich doch nicht, wieviel dem Fahrwerk zuzumuten ist.

„Wenn er das problemlos übersteht, dann Respekt vor Chevrolet“, stoßseufze ich. Die Straße soll etwa 20 Kilometer lang sein. Nach etwa einem Drittel bin ich total geschafft. Ich mache erst einmal Halt, und wir überlegen, ob wir weiterfahren sollen. Als ein Auto mit Wohnanhänger an uns vorbeigeschossen kommt, beschließen wir, die Fahrt fortzusetzen. Wenn andere das schaffen…

Auf der Weiterfahrt sehen wir dann auch am Straßenrand einige Wohnmobile stehen. Die haben es ja auch bis hierher geschafft, sagen wir uns. Vor einer Kurve huscht plötzlich ein kleiner Schwarzbär in den Wald, aber Jasmin ist zu überrascht und reißt den Fotoapparat etwas zu spät hoch.

Wells Gray Provincial Park PanoramaZu unserer Überraschung kommen wir ungeschoren am Clearwater Lake an, bzw. zunächst am angrenzenden Campground. Wir können uns aber nicht dazu entschließen, hier für heute nacht einen Platz zu reservieren, also fahren wir weiter zum Bootsverleih. Es ist zwar schon 14 Uhr, aber wir wollen dennoch eine Kanutour auf dem See machen. Wir finden eine kleine Hütte direkt am See, drinnen ein dümmliches Mädchen von etwa 15 Jahren, die vor sich hinnuschelt und anscheinend Analphabetin ist. Sie kann noch nicht mal meinen Namen richtig schreiben, als ich ihn buchstabiere. Ich schaue mir das Gekrickel an und nicke zustimmend. Für zusammen 30 Dollar bekommen wir dann jeder ein Paddel und eine Schwimmweste, deren Rückennummern sie sich für den Notfall aufschreibt. Als Zugabe gibt es eine unten aufgeschnittene grüne Gießkanne mit zugeklebtem Hals, die als Schöpfkelle für Wasser im Kanu dienen soll. Das Kanu selber finden wir 5 Minuten weiter die Straße entlang am See, teilt uns die Kleine mit.

Wir erreichen das Ende der Straße und stellen das Wohnmobil auf einem großen, sehr gut gefüllten Parkplatz ab. Unterhalb des Parkplatzes am See finden wir einen Bootsanleger und denken, man wird uns die Kanus schon bringen. Zwei Pärchen kommen gerade an Land, und wir denken: Dann können wir ja vielleicht deren Kanus übernehmen. Aber sie – alles Deutsche, na klar – klären uns darüber auf, dass sie die Boote selber mitgebracht haben, und hieven sie auf ihre Geländewagen.

Als nach zwanzig Minuten immer noch kein Kanu zu sehen ist, steigen wir wieder in unser Fahrzeug und wollen gerade zum Bootsverleih-Häuschen zurückkehren, als Jasmin die Kanus entdeckt und aufschreit. Ein Stück der Straße führt noch auf einen anderen Parkplatz, der etwas tiefer liegt. Dort finden wir die Kanus etwas versteckt im Gebüsch. Ich weiß nicht, haben wir uns so dumm angestellt?

Mühevoll lassen wir das doch recht schwere Kanu an einem weiteren, kleineren Bootssteg zu Wasser. Ebenso mühsam steigen wir hinein. Aber dann kann es endlich losgehen. Wir stechen mit den Paddeln in das ruhige Wasser, und langsam geht es voran. Wir haben Mühe, das Boot auf geradem Kurs zu halten; je nachdem, wer auf welcher Seite paddelt, beschreibt das Boot eine Kurve. So müssen wir in regelmäßigen Abständen die Seite wechseln und mal mit Links, mal mit Rechts drauflospaddeln. Das geht ganz schön in die Schultern!

Was solch ein Kanu alles transportieren kann, ohne unterzugehen, sehen wir, als uns zwei schwerbeladene Boote entgegenkommen. Da haben welche anscheinend ihren ganzen Hausrat mitgenommen.

Zwei Stunden jagen wir auf diese Art über den See, fahren ein Stückchen nach Norden und, nach einem Blick in den Himmel, bald wieder zurück. Das Wetter sieht mittlerweile etwas unsicher aus, und wir wollen nicht, dass das Kanu vollgeregnet wird. Außerdem wird es schon etwas dunkel. Die Rückfahrt ist recht anstrengend, obwohl wir diesmal – wie wir glauben – mit der leichten Strömung fahren. Um 17 Uhr ist unsere Bootsfahrt zu Ende, und meine Schultern bedanken sich dafür. Wir tragen das Boot wieder an seinen Platz, bringen die Ausrüstung wieder zurück und versuchen jetzt doch noch, einen Platz auf dem hiesigen Campground zu bekommen. Aber nun ist es zu spät. Alle Stellplätze sind besetzt. Wir gesellen uns noch zu einigen anderen Touristen und schauen in die Fluten des Clearwater Lake, in denen jetzt auch Lachse zu sehen sein sollen, aber erneut haben wir Pech.

Also starten wir durch und schießen über die Schotterstraße zurück. Dieses mal fahre ich weitaus weniger respektvoll, und wir brauchen nur eine halbe Stunde für die 23 Kilometer. Wir amüsieren uns jetzt köstlich über das wilde Geklapper hinten im Wagen und fragen uns, wann der erste Topf oder die erste Tasse im Fahrerhäuschen landet und uns an den Kopf fliegt.

Wells Gray Provincial Park Dawson WasserfallAuf dem Dawson Falls Campground versuchen wir ebenfalls einen Platz zu ergattern, aber hier ist auch nichts mehr frei. Also fahren wir weiter, zur Not sogar zurück bis nach Clearwater auf den Privatcampingplatz von gestern nacht. Als wir an der Helmcken Falls Lodge vorbeikommen, frage ich dort nach, ob noch ein Platz frei sei, und siehe da, für sage und schreibe 26 Dollar bekommen wir Strom und fließendes Wasser!

Nein, dieses Geld ist der Platz wirklich nicht wert. Das Wohnmobil kann kaum gerade stehen, so voller Schlaglöcher sind alle Stellplätze. Ich habe Probleme, das Fahrzeug so hereinzufahren, dass wir das Wasser auch anschließen können; es ist alles sehr merkwürdig angeordnet hier. Und dann ist der Wasserhahn auch nicht dicht. Als ich unseren Wasserschlauch anschließe und den Hahn aufdrehe, sprudelt das wertvolle Naß an allen Seiten heraus. Wenn es so die ganze Nacht liefe, würden wir alle vier(!) Stellplätze unter Wasser setzen und morgen nicht mehr aus dem morastigen Sumpf herauskommen. Also müssen doch unsere Wassertanks herhalten.

Zum Abendbrot gibt es Fisch mit Eiern, die wir gegen 19 Uhr 30 zu uns nehmen. Als Krönung folgen aber Nachos und mein zweiter Sieg im Catan-Spielen! Das reicht dann ja auch für heute…

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