Butchart Gardens

Besuch der berühmten Butchart Gardens

Heute kommen wir nicht ungeschoren davon. Kaum habe ich mich angezogen, klopft es an der Seitentür. Es ist tatsächlich jemand, der für unsere Übernachtung 9 Dollar 50 kassiert. Eine Stunde später, so gegen halb elf, sind wir wieder auf der Straße und suchen den Weg zu den Butchart Gardens. Auch heute regnet es wieder mal Bindfäden, trotzdem zahlen wir die horrenden 14 Dollar 50 Eintritt. Na gut, im Blumenladen bekommt man dafür nicht so viele Blumen…

Der Regen ist aber nicht das einzige, was hier unaufhörlich strömt. Es sind auch die Japaner, die sich hier in Massen durch die schmalen Wege drängen. Kaum haben wir den ersten Teil der Blumenschau besichtigt, quillt dieser über vor lauter Asiaten. Wir bemühen uns, diesem Riesentrupp immer voraus zu sein, um nicht von ihm erdrückt zu werden. Mit den zahlreichen transparenten Regenschirmen, die man sich hier am Eingang leihen kann, liefert die Menge einen besonders fremdartigen Anblick…

Butchart GardenDie Gärten sind wirklich sehr schön angelegt; so gibt es z.B. einen Rosengarten und einen japanischen Garten. Aber um 12 Uhr 30 sind wir durch, und uns hält hier nichts weiter. An putzigen Friedhöfen, Kirchen und Häusern vorbei fahren wir Richtung Victoria. Die Häuser hier unterscheiden sich sehr stark voneinander; bei einigen, sehr gepflegten, erkennt man, dass sie anscheinend Ruhesitz von Rentnern sind, andere sind einfach nur zugemüllt. Wir kommen auch an einer kleinen Siedlung vorbei, die mehr als einfach ist und von Indianern bewohnt wird. Anderswo würde man schon Slum dazu sagen…

Plötzlich haben wir die Qual der Wahl: Es geht links und rechts nach Victoria. Wohin nun? Da nichts dagegen spricht, fahre ich geradeaus weiter. Irgendwann kommt ein Schild: Highway 17 South. Bei mir macht es Klick; das habe ich in einem der Reiseführer schon mal gelesen. Also nehmen wir den.

Der Highway führt uns, inmitten dichten Verkehrs, direkt in das Herz der Stadt hinein. Nun müssen wir nur noch den West Bay Marine R.V. Park finden, den wir uns aufgrund seiner Nähe zur Innenstadt als Basis ausgesucht hatten. Er muß irgendwo auf der anderen Seite des Inner Harbour liegen. Also überqueren wir erst einmal die Johnson Street Bridge, die hinüberführt. Das ist schon einmal gar nicht so einfach, weil es hier von Einbahnstraßen nur so wimmelt und es etwas dauert, bis wir die richtige gefunden haben.

Auf der anderen Seite sind wir aber dann doch nicht schlauer. Ich fahre zur nächsten Tankstelle und erkundige mich nach dem Weg. Tatsächlich weiß einer der Angestellten, wo dieser private Campground ist, und erläutert mir den Weg, den wir dann auch ganz leicht finden.

Sagenhafte 35 Dollar bezahlen wir hier dann pro Tag für einen fully hooked Stellplatz, direkt an der Pier, mit Blick auf die See. Wahnsinn, der bisher höchste Preis, den wir für eine Wohnmobil-Übernachtung zu zahlen hatten! Allerdings ist die Lage des Platzes hier auch exzellent. Die Downtown von Victoria liegt gleich auf der anderen Seite des Inner Harbour, den man von hier aus mit kleinen Wassertaxis überqueren kann. Um das so richtig auszukosten, habe ich gleich für drei Übernachtungen bezahlt.

Um 14 Uhr fahren wir dann mit solch einer Nuckelpinne hinüber nach Victoria-Downtown. Auch hier ist der Fahrpreis nicht ganz ohne: 20 Dollar für vier Fahrten kostet’s. Der bärtige Steuermann, der wie ein alter Seebär auf uns wirkt, lenkt das bunte Bötchen, das wie ein Mini-Raddampfer aussieht, an mehreren Haltestellen vorbei, nimmt irgendwo noch ein Fahrgastpärchen auf und angelt sogar für den Mann seinen vom Winde verwehten Hut aus den Hafenfluten. Ja, die Kanadier sind schon hilfsbereite und nette Leute.

Dicht vor uns zieht eine Fähre aus Port Angeles, dem U.S.-amerikanischen Hafen, der südlich von Vancouver Island liegt, durch das Wasser. Interessant, was für Boote und Yachten hier so im Hafen liegen. Um 14 Uhr 30 steigen wir aus dem Schiffchen und werden mit dem blumigen „Welcome to Victoria“ des Parliament Buildings begrüßt.

Unser erster Gang führt zum Informationszentrum, das direkt am Hafen liegt. Hier drängen sich die Menschen vor den Schaltern, und man muß sogar Nummern ziehen, wenn man Auskunft wünscht. Das schenken wir uns aber; wir sammeln lediglich einige der unzähligen Broschüren über Whale-Watching-Angebote ein, um uns eines davon auszusuchen.

Der Hunger meldet sich, und wir steuern gleich zu Anfang der Government Street das „Sam’s Deli’s“ an. Hier lassen wir uns die Soup of the Day, „Split Pea“ und zwei riesige Sandwiches, die man selbst mit zwei Händen kaum halten kann, gut schmecken. Mhm, einfach lecker! Noch Kaffee dazu, und uns geht’s mal wieder gut.

Ein Vogel kommt durch die offene Tür geflogen und leistet uns Gesellschaft, setzt sich auf Jasmins Schulter. Einige der Angestellten versuchen ihn zu fangen und rauszubringen, aber das Tier ist zu verängstigt. Wir hoffen nur, dass es noch den Weg zurück in die Freiheit gefunden hat, nachdem wir das Restaurant schon wieder verlassen haben.

Mit gefülltem Magen bummeln wir durch die Government Street und schauen uns auch die kanadischen Zeitgenossen an. Auch hier gibt es Punker, bettelnde und gepiercte Jugendliche. Eine unserer ersten Stationen ist die große Eaton’s Mall, eine Galerie mit vielen kleinen Lädchen. Erinnert uns stark an das Centro in Oberhausen. Irgendwo auf einer der Ebenen sitzt ein Künstler und bietet Schnitzereien von Walen und Delphinen zum Kauf. Ich kann mich prompt für ein Stück begeistern, nur der Preis von etwa 225 Euro behagt mir nicht. Etwas viel für ein Andenken, sage ich mir, aber in Marokko habe ich mir ja sogar einen Teppich gekauft, der noch viel teurer war…

Wir schlendern weiter durch die Stadt – es hat inzwischen wieder zu regnen begonnen. In den Souvenirläden finden wir keine vernünftigen Andenken; alles Kitsch, was da angeboten wird. Wir nehmen lediglich ein paar Postkarten für die Lieben daheim mit, und besorgen uns in einem Post-Shop die passenden Briefmarken. Auf dem Rückweg die Government Street hinunter schauen wir uns etwas in einem Weihnachtsladen um. Das einzige, was wir hier nicht kitschig finden, sind einige handgemachte Figuren, von denen wir dann auch gleich zwei mitnehmen: Einen Nikolaus mit Teddies und einen Elch mit Gipsbein und Krücken.

In der Nähe des Parliament Buildings befindet sich das British Columbia Provincial Museum, das wir aber erst um 18 Uhr 10 erreichen. Es hat schon geschlossen, sodaß wir uns vornehmen, morgen hineinzugehen, um die aktuelle Walausstellung zu besuchen. Sicherlich eine gute Ergänzung für die geplante Walbeobachtungstour.

Einige hundert Meter weiter betreten wir den Beacon Hill Park. Sicher, er ist ganz nett, reißt uns aber nicht von dem Hocker, auf dem wir im Moment gar nicht sitzen. Wir spazieren bis zu dem empfohlenen Lookout auf dem Gipfel des Hügels. Doch der Ausblick enttäuscht uns sehr: diesiges Wetter über der See läßt das Festland kaum erkennen, und in die Stadt können wir gar nicht schauen, weil die Vegetation den Blick versperrt.

Helmcken HouseAuf dem Rückweg finden wir das Helmcken House, eines der ältesten Gebäude hier, das nach dem gleichen Mann benannt wurde wie die Fälle, die wir besucht haben. Der Thunderbird Park grenzt direkt an das Haus an; hier wurden einige der schönsten Totempfähle aufgestellt. Weiter führt uns unser Weg in die Douglasstreet, von der aus wir nach links Richtung Market Square abbiegen. Hierbei handelt es sich um einen mit Geschäften und Kneipen umgebauten alten Fabrikhof, der sehr reizvoll gestaltet ist. Da es Zeit für einen Happen zu Essen und einen Schluck zu Trinken ist, kehren wir ein in’s Café Mexico. Wir bestellen Ale und Burritos und holen uns bei der hübschen Bedienung einen Tip für die Whale Watching Tour ab.

Um halb neun abends stehen wir wieder an der Pier und warten darauf, dass ein Wassertaxi kommt, mit dem wir wieder zurückkehren können zu unserem Wohnmobil. Aber es tut sich nichts. Eigentlich soll bis neun Uhr jede Viertelstunde ein Bötchen kommen, aber wir zeigen schon länger Geduld. Auf einem Schild finden wir dann den Hinweis „Closed today due to bad weather“, aber das Wetter war schon den ganzen Tag so schlecht wie jetzt. Wir resignieren und steigen in eines jener Taxis (die mit vier Rädern, die auf den Straßen schwimmen), die direkt vor dem imposanten Empress Hotel auf Fahrgäste warten.

Es ist irgend ein Buick, und als ich mich auf den Beifahrersitz fallen lasse, falle ich sehr tief. Ich sitze fast schon auf der Straße, so durchgesessen ist der Sitz. Wir geben unser Ziel an, und der Wagen schnurrt los. Der Fahrer scheint zwar keine rechte Lust mehr zu haben, aber trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen? – sind wir ruckzuck da. Ich löhne etwas mehr als sechs Dollar, also ist das sogar günstiger, als mit den Wassertaxis zu fahren!

Den Rest des Abends lassen wir wie üblich ruhig angehen und suchen uns aus dem riesigen Angebot für Whale Watching Touren das der Great Pacific Adventures im Marine Adventure Centre aus. Letztlich wissen wir eh nicht, wer die besten sind, und alle fahren ja wohl zu den gleichen Walen hinaus.

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