Fahrt zum Pacific Rim Nationalpark

Ausgerechnet heute, wo wir Victoria Richtung Norden verlassen wollen, ist schönstes Wetter! Keine Wolke am Himmel, kein Regentropfen, der sich auf uns herniederstürzt. Als wenn die Stadt sich freut, dass wir weiterfahren.

Zum Frühstück kratzen wir die Reste zusammen, die wir im Kühlschrank und den Schubladen noch auftreiben können. Wir müssen dringend mal wieder einkaufen.

Malahat DriveDen Weg hinaus aus der Stadt finden wir leicht; bereits nach 15 Minuten ist von einer Großstadt nichts mehr zu erkennen. Wir befinden uns auf dem vielgerühmten Malahat Drive, der das Saanich Inlet entlang führt und wunderschöne Ausblicke bieten soll. Leider sehen wir davon nicht sehr viel. Es gibt zwar ein paar Lookouts, aber ansonsten behindern die zahllosen Bäume die Sicht auf die Bucht. Ich muß mich ja sowieso auf das Fahren konzentrieren.

Gegen Mittag erreichen wir den kleinen Urlaubsort Mill Bay, wo wir in einem Supermarkt unser Vorratslager auffüllen. Es gibt hier tolle Torten und leckere Kuchenteilchen, aber auch Heavy German Bread und Bavarian Ham. Das Brot sieht aber wirklich schwer aus – sehr schwer!

Nach etwas mehr als einer Stunde und einem kleinen Mittagssnack an unserem Eßtisch im Fahrzeug geht’s weiter, zunächst durch das kleine Örtchen Chemainus. Hier sind Wandbilder, sogenannte Murals, zu bewundern, mit denen einige der Häuser verschönert wurden. Von der Straße aus sehen wir einige, anhalten müssen wir dafür aber nicht. Um hierhin zu gelangen, mußten wir den Highway verlassen, sodaß wir jetzt eine kurvige Küstenstraße Richtung Norden entlangschippern, bis wir wieder auf den Highway 1 gelangen. Vor Nanaimo verfehlen wir die Umgehungsstraße und müssen quer durch den Ort fahren. Dabei lernen wir wahrscheinlich alle Industrieviertel der Stadt kennen, insbesondere die zahlreichen Vorkommen von McDoof, PizzaHut und Burger King. Noch öfter begegnen uns aber Wendy’s- und Dairy Queen-Schilder, die hier noch populärer zu sein scheinen.

Vor Parksville biegen wir auf den Highway 4 nach Westen ab. Von nun an bleiben wir immer auf dieser Straße. Unser eigentliches Ziel heißt Pacific Rim National Park, aber bis dahin sind es noch etliche Kilometer. Wir müssen die Insel jetzt noch einmal von Osten nach Westen durchqueren.

Um 15 Uhr erreichen wir zunächst Cathedral Cove, wo riesige Douglastannen bestaunt werden können, zum Teil jahrhundertealt. Ein Wald, noch in recht ursprünglichem Zustand. Er wirkt mächtig, aber ihn sakral zu nennen, wie er in den Reiseführern beschrieben wird, finde ich nun doch reichlich übertrieben.

Port AlberniVon Port Alberni, wo wir noch einmal auftanken, zieht sich die Strecke scheinbar endlos hin. Auf Teilstücken windet sich der Highway in Serpentinen durch das Zentralgebirge von Vancouver Island, und hinten im Wagen scheppert’s mal wieder, als wenn die Heinzelmännchen mit Türen und Geschirr spielen. So langsam finde ich dieses Fahren nervig…

Endlich, um 18 Uhr 30 erreichen wir den Eingang des Nationalparks. Links geht eine Straße Richtung Ucluelet ab, aber wir wollen nach Tofino weiter. Leider hat die kleine Informationshütte schon geschlossen, so dass wir hier nichts weiter erfahren können und uns ohne Hilfe einen Campground suchen müssen. Nach einigen Kilometern finden wir den Green Point Campground, der direkt oberhalb des Long Beach liegt. Hier entdecken wir nach einigem Suchen doch noch einen freien Platz, die Nummer 48, die wir auch ganz schnell besetzen, zumal wir schon von anderen Wohnmobilen verfolgt werden.

Die Sonne geht bald schon wieder unter, und ich begebe mich zum Strand hinunter, um einen ersten Eindruck zu erhaschen, und den Sonnenuntergang über dem Pazifik mitzuerleben.

Es ist phantastisch. Strand, soweit das Auge reicht (insgesamt ist er 12 Kilometer lang), kaum Leute zu sehen, und das Meer brandet ruhig und leise rauschend heran. Die Sonne beginnt langsam über einer entfernten Landzunge nieder zu gehen, und ich renne schnell zurück, damit Jasmin sich den Sonnenuntergang auch anschaut. Und wahrhaftig, es lohnt sich, dafür zu rennen: Wir haben selten ein schöneres Bild einer untergehenden Sonne gesehen: Orangerot verschwindet sie hinter der Baumgruppe und hinterläßt farbige Streifen am Himmel, die den naßfeuchten Sand bunt schimmern lassen. Wir spazieren noch etwas den Strand entlang, und ich beobachte, wie unsere Fußspuren schnell vom Meerwasser umspült werden und verschwinden. Wie klein und vergänglich doch der Mensch ist, schießt es mir dabei durch den Kopf. Im kosmischen Maßstab existiert der Mensch auch nur so lange wie der Fußstapfen im Vergleich zum Wasser oder der Erde. Ich weiß nicht, ob ich glücklich darüber sein soll, dass besonders in solchen Situationen meine philosophische Ader durchbricht…

Wir kehren zum Wohnmobil zurück, und bereits um 20 Uhr ist es stockfinster. Am Himmel sind alle Sterne zu sehen; leider stören die Baumkronen den Ausblick, und mit einer Taschenlampe draußen herumzurennen, wo in diesem Gebiet doch auch Bärenalarm gegeben wurde, fällt mir auch nicht ein!

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