Peyto Lake

Gedanken und Geschehnisse vor dem Abflug

Während des Urlaubs die Zeit zu genießen, in der man ein fremdes Land, herrliche Landschaften und neue Leute kennenlernt, ist eine wunderbare Sache. Noch schöner ist es, wenn man auch nach der Rückkehr in die Heimat und den Alltag noch von den Erinnerungen an die schönen Wochen zehren kann.

Dazu dienen zum einen die zahlreichen Fotos, auf denen man viele neue Eindrücke gebannt hat. Zum anderen gibt ein Reisebericht Gelegenheit, darüber hinaus noch Gedanken, Erfahrungen und kleine Anekdoten, mit denen man sich auch in „der Zeit danach“ noch in den Urlaub zurückversetzen kann, in den Alltag hinüberzuretten. Dies ist der wesentliche Grund, warum ich mir auch dieses mal, während unserer dreieinhalb Wochen in Kanada, jeden Abend einige Minuten Zeit genommen und meinen Notizblock fleißig mit Hieroglyphen gefüttert habe.

Jeder, der vor unserer Abreise von unserem Urlaubsziel hörte, beeilte sich zu sagen, dass dreieinhalb Wochen auch wohl „das mindeste“ seien, was man dort zubringen solle. Nun, es war das maximale, was wir unter den gegebenen Umständen herauskitzeln konnten. Als Mitte Juni klar war, dass der September unser Urlaubsmonat werden würde und wir uns dann entschlossen hatten, für den kanadischen Westen zu buchen, mußten wir die Erfahrung machen, dass das offensichtlich immer noch eine sehr beliebte Reisezeit ist. Nach einigem Hin- und Her-Suchen in den Daten des Reisebüro-Computers fanden wir dann endlich eine Kombination von Flügen mit British Airways, ein Wohnmobil für drei Wochen und drei zusätzliche Hotelübernachtungen, die uns zufrieden stellten: Am 2. September sollten wir um 19 Uhr 20 von Düsseldorf nach London fliegen, um dort um 21 Uhr 05 Ortszeit mit einem Anschlußflug nach Calgary weiter zu reisen. Nach einer Übernachtung im dortigen Travelodge-Hotel war geplant, das Wohnmobil zu übernehmen, nach drei Wochen in Vancouver wieder abzugeben, und dort nach zwei abschließenden Übernachtungen im Century Plaza den Heimflug – wieder über London – nach Düsseldorf anzutreten. Das meiste davon klappte auch vorzüglich, und es wurde eine wunderbare Zeit, in der wir (nur!) 2429 Kilometer fuhren, viel neues sahen und unternahmen. Der Ärger, mit dem die Reise allerdings begonnen hatte, war in dieser Zeit dann auch schnell verdrängt. Aber davon später.

CalgaryGespannt waren wir nicht nur auf das große Land und die faszinierende Landschaft in den Rockies, sondern auch auf die Zeit im Wohnmobil, war es doch das erste mal, das wir solch ein Gefährt benutzten. Aber von vornherein hatte für uns festgestanden: Eine geführte Busreise mag für Marokko genau das richtige sein, für Kanada wäre sie tödlich. Nachdem wir uns schon in unserem Schottland-Kurztrip im Sommer 96 Freiheiten gelassen hatten bei der Wahl unseres Aufenthaltsortes und der Verweildauer, so wollten wir dieses mal absolut frei sein, und – bis auf den äußeren Rahmen mit den Hotelübernachtungen und den Flügen – uns keinen zeitlichen Zwängen durch irgendwelche Vorausbuchungen oder Reservierungen, geschweige denn durch eine fest geplante Strecke unterwerfen. Uns kam dabei entgegen, dass der September nicht mehr zur Hauptreisezeit gehört, ansonsten hätten wir vielleicht auf einigen Campingplätzen Probleme bekommen, einen Platz zu finden, und wir hätten vorher dort reservieren müssen.

Wir hatten auch den überall in den Reisekatalogen zu findenden Rat beherzigt, ein etwas größeres Wohnmobil zu nehmen als eigentlich nötig gewesen wäre. Schließlich verbringt man drei Wochen in dieser Schachtel und muß auch ein wenig Platz haben, um sich mal umzudrehen. So mieteten wir ein Modell C 25, das für zwei Erwachsene und drei Kinder ausgelegt war und eine Länge von 24 Fuß hatte. Na ja, schließlich war ich ja auch mit dem Umzugs-Lkw damals ganz gut zurechtgekommen…

Bis auf ein paar – nun, sagen wir: Eingewöhnungsproblemchen – machte uns der Chevrolet dann auch keine Schwierigkeiten (aufgepaßt, hier verstecken sich schon einige kleine Anekdoten!). Die Größe war genau richtig, und wir waren froh, dass wir Toilette und Dusche im Fahrzeug hatten. Allerdings lernt man, sich zu bescheiden. Warmwasser z.B. – ein zivilisierter Mensch kann es sich für ein morgendliches Duschen nicht wegdenken – erhielten wir nur, wenn wir ein Knöpfchen drückten und eine Viertelstunde warteten. Das war uns dann oft doch zu umständlich, und so beschränkt man sich auf das nötigste.

Wenn man sich lange auf eine Reise vorbereitet und über Wochen hinweg zum Frühstück neben dem Kaffee und dem Müsli auch noch einen 800-Seiten-Wälzer über das zweitgrößte Land der Erde zu verzehren hat, in denen von den Landschaften und Städten nur so geschwärmt wird, kann es leicht geschehen, dass die aufgebauten Erwartungen enttäuscht werden. Wir können getrost sagen, dass es uns weitestgehend nicht so ergangen ist. Lediglich von Vancouver – angeblich eine der schönsten Städte der Welt – haben wir uns mehr erwartet. Das gewisse Etwas haben wir auch in fünf Tagen Aufenthalt in dieser – sicherlich interessanten – Stadt allerdings nicht gefunden.

Aber das war ja schon das Ende des Abenteuers in Übersee. Dabei habe ich doch noch gar nicht von dem aufregenden Anfang berichtet…

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