Kayaktour Start

Kajaktour um die Harbour Islands

Wohl oder übel müssen wir heute früh raus, denn um 9 Uhr beginnt unsere Sea Kayaking Tour. Ohne solch einen selbstauferlegten Druck würden wir wohl auch nicht so früh aus den Federn (bzw. aus den Säcken!) kommen. Um halb sieben schon stehe ich als erster auf, und um 10 vor neun erreichen wir die kleine Bücherei am Hafen, von der aus es losgeht. Es ist herrlich warm, aber in unseren kurzen Hosen und Sandalen bieten wir so früh am Morgen doch wohl einen etwas exzentrischen Anblick.

Direkt hinter dem Haus geht es zum Strand hinunter, und Jorge, ein braungebrannter, sportlich wirkender Spanier, weist uns ein. Jorge lebt nun seit 9 Jahren hier und fährt seit zwei Jahren regelmäßig Kayak. Heute hat er eine Gruppe von sechs Leuten zu betreuen: Zwei Alleinreisende kommen aus Vancouver und machen hier einen Kurzurlaub; dann ist da noch ein amerikanisches Pärchen, und natürlich Jasmin und ich.

Jorge verteilt die Ausrüstung und reicht uns niedliche Westen, die wir wie Röckchen um die Taille binden. Sie werden hinterher an dem Rand der Einstiegsöffnung befestigt, damit kein Wasser in das Boot eindringen kann. Danach schlüpfen wir in die Schwimmwesten. Jasmin und ich entscheiden uns für einen Zweier-Kayak, da er stabiler ist und für Anfänger besser geeignet. Hinten sitzt der Steuermann und vorne derjenige, der die Pes macht. Da ich auch das Wohnmobil fahre, lasse ich mich breitschlagen und werde steuern.

Wir tragen die Boote hinunter in das kalte Wasser; bis zu den Waden müssen wir hinein, damit die Boote nicht auf dem flachen Grund hängen bleiben. Brrr, wirklich eisig das Wasser, und das Seegras, das die Beine umschmeichelt, sorgt für ein weiteres merkwürdiges Gefühl. Das Einsteigen gestaltet sich als gar nicht so einfach. Man stellt sich am besten breitbeinig über das Boot, läßt sich dann langsam rückwärts hinunter und zieht anschließend die Beine hinein. Das klappt bei den Einern, aber die Zweier sind breiter. Hier muß man vorsichtig mit dem linken Fuß in die Öffnung schlüpfen, sich hinab sinken lassen und dann den rechten nachziehen. Mühsam klemme ich meine Füße auf die Pedale, die über einen Draht das Heckruder steuern. Ich muß nur mit dem rechten Fuß drücken, und wir fahren nach rechts, und umgekehrt. So einfach ist das. Jorge gibt uns noch einen Tip, wie wir mit Drehbewegungen aus der Hüfte heraus effektiver paddeln können, dann geht es endlich los.

Harbour IslandsZunächst hängen wir doch noch auf dem Strand fest, und ich muß uns etwas mit den Händen abdrücken, bis wir tieferes Wasser erreichen. Aber dann paddelt unsere Gruppe aus fünf Booten – drei Einer und zwei Zweier – durch das ruhige Hafenwasser. Jasmin und ich haben noch einige Probleme, unser Rudern aufeinander abzustimmen; wir legen unterschiedliches Tempo ein, so dass sich unsere Paddel hin und wieder gegenseitig in die Quere kommen und kollidieren. Aber eigentlich geht es schon erstaunlich gut. Ruhig gleiten wir durch das Hafenbecken und fühlen uns dem Wasser ganz nah. Man kann bis auf den Grund schauen; es ist wunderbar klar hier und nicht besonders tief. Wir erkennen Seegras und sehr viele, zum Teil riesige Seesterne, aber kaum Fische.

Wir wollen etwas durch die Harbour Islands kreuzen und gelangen an eine kleine Insel, deren steinige Küste total mit Seesternen übersät ist. Wir halten auf dem Wasser, wobei die Boote stets aufeinander zutreiben. Ich paddele rückwärts, um wieder etwas Abstand zu gewinnen, komme dabei aber dem anderen Zweier hinter uns zu nahe. Bevor ich merke, dass ich zum Stoppen in die Gegenrichtung rudern muß, stoßen wir auch schon leicht zusammen. So kann man auch anhalten! Zum Glück ist alles nicht so tragisch, und passiert ist auch nichts.

Jorge zieht einen der kinderarmdicken grünen Seetangfäden, die hier herumtreiben, aus dem Wasser, beißt herzhaft davon ab und erklärt uns, dass das Zeug sehr nahrhaft ist und wie Salat schmeckt. Wir verziehen aber nur den Mund; keiner von uns will es ihm nachmachen.

Wir umfahren die Insel, bewundern dabei den schönen Sandstrand, der sich vor uns öffnet. Mit dem Mond, der noch im Norden am Himmel steht, bietet sich ein wunderschönes Bild. Kein Wölkchen am Himmel, angenehme Temperaturen – so läßt es sich aushalten. Es ist sehr angenehm zu fahren, und die Sache macht gewaltig Spaß. Vor allem geht es nicht so in die Schultern wie das Kanufahren; aber wahrscheinlich braucht man dafür auch nur die richtige Technik. Technik ist ja bekanntlich alles.

Die Zeit geht schnell um, und schon befinden wir uns auf der Zielgeraden. Jorge treibt uns zu einem kleinen Schlußspurt an; wahrscheinlich hat er Hunger. Um 12 Uhr rutschen wir auf den flachen Strand hinter der Hütte, verlassen die Boote, die wir noch kurz auswischen und wieder verstauen. Ja, das war wirklich eine wunderbare Sache! Besser als Kanufahren. Werden wir uns auf jeden Fall für spätere Aktivitäten merken!

Im Wohnmobil, dass wir in einer Seitenstraße geparkt haben, waschen wir uns erst einmal die dreckigen Füße und werfen anschließend zur Wiederaufladung unserer Akkus einige Sandwiches ein. Den Rest des Tages werden wir ruhig angehen lassen. Wir beschließen, zum Campground zurückzufahren und dann hinunter zum Strand zu gehen und dort etwas zu relaxen. Haben wir uns ja schließlich auch verdient, gell?!

Dort angekommen, schnappen wir unsere Strandmatten und breiten uns an einem der unzähligen Baumstämme aus, die über den sehr sauberen Sandstrand bis an die Baumgrenze herangespült wurden. Mich hält es aber nicht lange, ich muß mich erst einmal etwas umschauen und auf die Felsen klettern, an denen sich das Meerwasser bricht, bevor ich zur Ruhe kommen kann.

Das Wasser ist kalt, aber beim Durchwaten gewöhnt man sich schnell daran. Es ist fast wie bei einer Kneipp-Kur. Ich beobachte die zahlreichen Mini-Kayaks, die hier auf den Wellen hin und her hüpfen und immer wieder zurück an den Strand gespült werden. Das scheint hier beliebter zu sein als Surfen, denn es wimmelt geradezu von diesen kleinen Booten, die nur etwa zwei Meter lang sind. Sie haben eine etwas andere Form als die Einer-Kayaks von heute morgen und scheinen Spezialanfertigungen für diese Art von Wellenreiten zu sein. Die Leute haben ihren Spaß dabei. Vielleicht probieren wir das ja auch irgendwann noch einmal aus!?

Es ist faszinierend, das Spiel der Wellen zu beobachten; wie sie auf dem brettharten Sand auslaufen und als Tausende von Mini-Wellen wieder zurück in den Ozean fließen. Man kann wunderbar barfuß auf dem Sand und im seichten Wasser spazieren gehen; keinerlei Steine oder dergleichen gefährden die Fußsohlen. Lediglich vereinzelt werden Muscheln von dem heranbrausenden Naß für einen kurzen Moment freigespült, bis sie dann von dem Sand wieder zugedeckt werden, den das zurückfließende Wasser mit sich reißt.

Es wird frischer, und um halb sechs kehren wir zum Kaffeetrinken in unser Wohnmobil zurück. Um Viertel nach sieben begebe ich mich noch einmal an den Strand, um den Sonnenuntergang mitzuerleben. Eine Gruppe Jugendlicher spielt mittlerweile Baseball im Licht der herabsinkenden Sonne, die fast schon wieder hinter der entfernten Landzunge verschwunden ist. Mir fällt sofort auf, dass sie heute schon etwas weiter westlich steht als vorgestern um diese Zeit. Auch eine Möwengruppe hockt am Strand und läßt sich offenbar von der Atmosphäre einfangen, die das Bild erzeugt. Als ich näher an das Wasser herangehe, flüchten die meisten von ihnen. Nur eine einzige bleibt hartnäckig.

Einige Dutzend Meter neben mir steht eine Fotografin hinter ihrem Stativ; neben ihr ein prasselndes Lagerfeuer. Der Strand ist jetzt doppelt so breit wie heute nachmittag, beinahe hundert Meter. Das Wasser zieht sich zurück, vielleicht auch müde geworden von dem stetigen Anrennen gegen die Küste?

Als ich mich dem fliehenden Wasser noch weiter nähere, verschwindet auch die letzte Möwe. Dafür kommt noch einmal eine starke Welle heran und treibt mich weit auf den Strand hinauf, so als wolle sie sagen: „Geh jetzt auch“.

Nach insgesamt zwanzig Minuten ist das Energiebündel am Himmel verschwunden. Was übrig bleibt sind erneut ein faszinierendes Farbenspiel am Strand, wo dünne Wasserfäden blau-rot-grün auf dem Sand schimmern, und einige Wolkenfetzen am Horizont, dort wo sich die Sonne von uns verabschiedet hat.

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