Vancouver Island

Per Fähre rüber nach Vancouver Island

Heute werden wir weder von unserem kleinen Wecker, noch von einem Pferd geweckt. Dieses mal ist es ein enervierendes Fiepen, das überhaupt nicht mehr aufhören will. Es klingt ähnlich wie der Gasalarm in unserem Wohnmobil, aber bei uns ist alles in Ordnung. Dafür ist es auch nicht laut genug. Aber wenn es ein anderes Wohnmobil wäre, hätte man das dort doch wohl längst bemerkt, oder?

Ich ziehe mich an, und stelle anschießend fest, dass sich auf der anderen Seite des Flusses oberhalb der Bahnlinie eine Baustelle befindet, auf der zahlreiche Bagger herumkurven. Sie erzeugen beim Rangieren dieses nervige Geräusch. Ob da eine zweite Linie im Bau ist?

Auch heute morgen erscheint niemand, um von uns eine Übernachtungsgebühr zu kassieren, und um halb elf sind wir wieder unterwegs. Wir kommen an einer kleinen Ranch vorbei und bedauern die dort eingepferchten Rinder; an Bewässerungsanlagen, die in diesem trockenen Gebiet gar nicht wegzudenken sind. Erst ab Lytton scheint die Gegend wieder fruchtbarer zu werden, denn hier tauchen vermehrt Obststände auf. An einem halten wir an und versorgen uns mit Früchten. Kanadische Pflaumen zum Beispiel. Die schmecken bestimmt gut im morgendlichen Müsli.

Zur Mittagszeit gönnen wir uns am Ende einer weiteren riesigen Baustelle, bei der wir wieder zum Teil über Granulat kriechen müssen, im Family Restaurant ein 6oz. Steak und die Soup of the day. Von der können wir uns nehmen, soviel wir wollen. Und die ist wirklich lecker!

Fraser CanyonBisher war es noch trocken, aber kaum erreichen wir Hell’s Gate, öffnen sich die Himmelspforten, und es fängt an zu gießen. Wie passend! Hier wollten wir ursprünglich die engste Stelle des Fraser Canyon besichtigen, aber bei den horrenden Preisen für die Seilbahn verzichten wir auf eine Hinunterfahrt. Leider gibt es auch nur einen steilen Weg, der hinunter führt, und das wollen wir uns bei diesem Wetter nicht unbedingt antun. Also verzichten wir auf den Anblick und fahren lieber gleich weiter.

Das Wetter hält sich – meistens regnet es in Strömen. Bei Hope erreichen wir den Trans Canada Highway 1. Vorher machen wir jedoch noch einen Ultra-Kurz-Stop in dem kleinen Örtchen. Wir gehen die Haupstraße einmal auf und ab, bewundern kurz die mächtigen Holzschnitzereien und das Restaurant Alpenhaus (von außen!), verlassen das Städtchen dann aber wenig begeistert gleich wieder.

Auf dem Highway 1 erleben wir endlich Autobahn-Atmosphäre. Der Verkehr ist überraschend dicht, und die Gegend bleibt sehr städtisch. Man merkt, dass wir auf Vancouver zu fahren. Offensichtlich beginnt hier schon das Einzugsgebiet der Stadt.

Vancouver Island FähreWir müssen aufpassen, dass wir den richtigen Weg zu den Fähren nach Vancouver Island finden, die in Tsawwassen ablegen. Plötzlich sehen wir ein Schild mit dem Hinweis: „Zu den Fähren die Ausfahrt 66 nehmen.“ Wir gelangen auf den Highway 10, und es geht durch ein Industrieviertel hindurch. Offenbar sind wir mitten in die Rush-hour gekommen. Die Straße ist voll, aber es gibt keinen Stau; der Verkehr fließt hier richtig gut.

Den Weg finden wir relativ leicht ohne uns zu verfahren, obwohl wir uns nur mit Hilfe der Hinweisschilder orientieren können. Um 17 Uhr 55 befahren wir einen breiten Deich und erreichen das Fährterminal. Die Länge unseres Wohnmobils wird gemessen, und wir dürfen 70 Dollar für die Überfahrt bezahlen. Zudem macht man uns darauf aufmerksam, dass das Gas während der Überfahrt abgedreht sein muß. Das wird dem Eis im Kühlfach zwar gar nicht bekommen, aber da müssen wir durch. Wir erhalten einen Platz auf der nächsten Fähre, die in etwa einer Stunde das Festland verlassen wird. Beinahe haben wir nicht mehr daran geglaubt, heute noch auf die Insel zu gelangen, und schon überlegt, ob wir uns hier noch einen Platz zum Übernachten suchen sollen. Aber das werden wir dann sofort machen, wenn wir drüben sind.

Dann geht es endlich los. Wir fahren in den breiten Rumpf der Fähre, und um 19 Uhr legt sie Richtung Victoria ab. Die Abfahrt verfolgen wir vom Bug aus, und wir beobachten die Möwen, die sich wie Geier auf die Wasseroberfläche stürzen.

Es beginnt wieder zu regnen, und an Deck ist es unglaublich windig. Um 20 Uhr bereits ist es stockfinster, und wir erkennen kaum etwas von den schönen Inseln, an denen wir vorbeifahren. Um 20 Uhr 35 erreichen wir die Anlegestelle in Swartz Bay. Von hier aus sind es noch etliche Kilometer über den Highway bis Victoria, also folgen wir dem ersten Schild „Campground“, das bereits nach wenigen hundert Metern auftaucht. Wir fahren ein Stückchen zu weit und müssen einmal drehen, bevor wir dann gegen 21 Uhr in den düsteren McDonald Provincial Park Campground hinein fahren. Er ist wunderbar in einem Wald gelegen, und wir finden schnell einen freien Platz.

Durchatmen. Endlich Ruhe für heute. Unsere Mägen melden sich, und wir braten uns Steaks. Morgen werden wir weiterfahren nach Victoria, um dort einige Tage zu verbringen, u.a. mit einer Whale Watching Tour, auf die wir uns schon sehr freuen.

Das Einschlafen gestaltet sich heute etwas schwierig, denn ich höre nicht weit entfernt drei Schüsse. Irgendwann ertönt eine Polizeisirene, und vor meinem inneren Auge entstehen schon Bilder von einem Campingplatz-Massaker, aber irgendwann fordert der Körper sein Recht…

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