Lake Louise Panorama

Richtung Norden nach Lake Louise

Wie immer ist es schrecklich, wenn der Wecker unbarmherzig losklingelt und einen aus dem wohlverdienten Schlaf reißt. Diesmal um halb acht. Wir wollen heute nämlich etwas früher los. Ohne die Tücken des gestrigen Morgens sind wir um 9 Uhr 15 mit dem Frühstück fertig und brechen auf.

Zunächst schauen wir noch mal in Banff-Town vorbei, um einige Kleinigkeiten einzukaufen, vielleicht sogar einige Souvenirs. Jasmin legt dann auch kräftig vor mit einigen T-Shirts, bevor ich dann mit einer genialen Elchmütze gleichziehen kann. Etwas Süßes aus einer Confiserie, in der die Pralinen im Schaufenster hergestellt werden, muß natürlich auch mit. Dann geht’s aber los. Heute wollen wir weiter in Richtung Norden, den Bow Valley Parkway – den Highway 1A, die angeblich schönere Nebenstrecke – entlang über den Johnston Canyon nach Lake Louise.

Zunächst aber drehen wir noch eine Runde durch das Büffel-Gehege, dass nördlich von Banff direkt auf der anderen Seite des Highway 1 gelegen ist. Allerdings scheint für die Viecher die Saison schon vorbei zu sein; kein einziges Zotteltier bekommen wir zu Gesicht, dafür aber die schreckliche Schotterstraße umso deutlicher zu spüren: Ich traue mich kaum schneller als Schrittempo zu fahren.

Auf dem Bow-Valley-Highway geht es dann schneller, aber auch nur mit maximal 60 Stundenkilometer vorwärts. Um 11 Uhr 30 erreichen wir den sehr gut gefüllten Parkplatz am Johnston Canyon. Wir finden noch eine passende Parklücke für unser „Rolling Home“, und ich parke zum ersten mal rückwärts ein. Mit Jasmins Hilfe klappt das sehr gut.

Johnston Canyon Lower FallsDer Canyon ist ein beliebtes Ausflugsziel. Das sieht man sofort an dem Café-Restaurant, das unweit des Parkplatzes am Beginn des Wanderweges gelegen ist. Auch die regelrechten Menschenmassen sind ein weiteres Indiz dafür. Wir haben zwar damit gerechnet, dass wir selbst in Kanada nicht ganz einsam sein würden, aber dieser Andrang überrascht uns doch.

Während wir uns mit Rucksack und Fotoapparat auf den Weg zu den Lower und den Upper Falls machen, die etwa 1,1 bzw. 2,7 km entfernt in den Canyon hinunterrauschen, scheinen mit uns tausend Leute unterwegs zu sein. Dabei scheinen alle Urlaubergattungen dabei zu sein: von den Shirts- und Shorts-Wanderern über dick eingemummelte Leute und ganze Schulklassen bis hin zu einigen Outdoor-Machos, die unbedingt die Canyon-Felsen hochklettern müssen. Auf einer Holzbank machen wir Pause und lassen das ganze Volk an uns vorbei ziehen. Irgendwie scheinen wir interessant zu sein, denn offensichtlich bewundert man uns aus irgendwelchen Gründen. Vielleicht, weil wir die einzigen sind, die glauben, ein Päuschen verdient zu haben…

Ach ja: und wieder sind viele Chipmunks zu sehen, die hier recht zutraulich sind und wohl auf Fütterung hoffen. Sehr empfindsame Näschen scheinen sie zu haben, denn sie riechen die Mandel-Snack-Reste im Papier!

Johnston Canyon Upper FallsEs geht auf und ab (meistens jedoch auf) am Canyon entlang, der durch einen dichten Nadelwald führt. Zeitweise geht es rechts von uns gute zehn Meter in die Tiefe. Die Lower Falls sind nicht so besonders spektakulär, und nach gut 70 Minuten bequemen Wanderns erreichen wir die Upper Falls, die man von einer Holzbrücke aus bewundern kann, aber auch von einer Art Fels-Balkon aus, den man durch einen in den Fels geschlagenen Höhlengang erreichen kann (Vorsicht: Bücken!). Interessant sind hier die kalkigen Canyonwände, an denen das aus den Bergen herunterfließende Wasser herab tropft und stalaktitenähnliche Gebilde erzeugt. Bald machen wir uns auf den Rückweg und erreichen um 20 vor drei den Parkplatz. Nach kurzer Pause geht es dann weiter nach Lake Louise, wo wir als erstes den Campground ansteuern.

Lake LouiseLake Louise selbst scheint nur aus einer Eisenbahnlinie, einer – nein: zwei – Straßenkreuzungen, einer Tankstelle, einem Restaurant, einigen Shops, dem Tourist Information Centre (ganz wichtig!) und dem Campground (vielleicht noch wichtiger!) zu bestehen. Irgendwo stehen noch ein paar Häuser, in denen einige Leute zu wohnen scheinen, aber irgendwie nimmt man sie gar nicht so wahr.

Den Campground finden wir sofort. Wir mieten einen Stellplatz mit Stromanschluß, fahren dann aber sofort zur „Sani Dump Station“ des Campingplatzes, um zum allerersten mal unsere Abwassertanks zu leeren und Frischwasser aufzufüllen. Von drei Campern, die etwa zur gleichen Zeit „dumpen“, sind wir die ersten, die gekommen sind, und die letzten, die wieder wegfahren. Wenn man erst einmal weiß, was man alles genau zu tun hat (und wo die Schläuche sind und wo sie rein müssen!), dann geht alles eigentlich ganz einfach. Gut, dass ich mir Gummihandschuhe für diese doch etwas unangenehme Arbeit besorgt habe!

Dann geht’s los zum hiesigen Info-Centre, wo wir Material über Yoho und den Icefield Parkway sowie geführte Wanderungen besorgen. Wir wollen morgen den Trail „Plain of the six glaciers“ wandern und erkundigen uns, ob man den alleine gehen kann, zumal man uns beim Einmieten auf dem Campground von Bärensichtungen im Gebiet erzählt hat. Die nette Dame gibt uns aber Entwarnung: Entlang dieses Wanderweges seien keine Bären zu finden und man könne beruhigt alleine wandern, obwohl man nicht alleine sein wird, da der Weg sehr beliebt sei. Hoffentlich nicht so wie der Johnston Canyon, denken wir uns…

Den heutigen Tag wollen wir mit dem Besuch des Moraine Lake beschließen. Die etwa vierzehn Kilometer lange Straße von Lake Louise aus dorthin kommen wir uns mal wieder vor wie ein Verkehrshindernis. Teilweise scheint das Wohnmobil an den Steigungen regelrecht schlapp zum machen, und bei der kurvigen, unbekannten Strecke fahre ich eh‘ nicht so schnell. Aber irgendwann kommen selbst wir an – und sind dann erst einmal sprachlos. Wunderschön liegt der tiefblaue See, umrahmt von hohen, zum Teil mit Schnee und Eis bedeckten Gipfeln, die sich im Wasser spiegeln. Am West- und Nordufer des Sees rieseln Felsmoränen in sanftem Gefälle in den See, der zu Fuß nicht zu umrunden ist. Hier gibt es lediglich einen Parkplatz und eine Lodge. Es wird kalt und windig, und wir sehnen uns nach unseren Pullovern im Wohnmobil. So lösen wir uns also von dem phantastischen Anblick und kehren nach Lake Louise zurück, wo wir in das Mountain Restaurant einkehren und einen Chicken Burger und ein 6oz. Steak verschlingen sowie einen halben Liter Rotwein zu uns nehmen. Nach der Rückkehr auf den Campground – es ist längst schon wieder dunkel! – nehmen wir uns zum ersten Mal ein wenig Zeit zum Postkartenschreiben.

Der Campground liegt direkt am Bow River und soll Bärengebiet sein, und somit ist es nicht unspannend, im Dunkeln draußen den Strom anzuschließen. Hin und wieder horchen wir hinaus, ob sich etwas tut, aber alles bleibt ruhig. Nein, nicht alles: Regelmäßig donnert pfeifend ein Zug vorbei; er scheint wirklich endlos zu sein: Laut Reiseführer haben die Züge hier eine Länge von etwa 100 Waggons und werden von bis zu sieben Zugmaschinen gezogen. Kein Wunder, dass das Getute gar nicht mehr aufhören will…

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