Stanley Park

Überfahrt zurück nach Vancouver

Um 11 Uhr brechen wir auf zur Rückfahrt quer über die Insel bis nach Nanaimo, wo wir heute noch eine Fähre hinüber nach Vancouver nehmen wollen. Der Tag ist eigentlich viel zu schade, um ihn im Auto zu verbringen, aber uns treibt es weiter. Die Fahrt zieht sich ziemlich ereignislos in die Länge. Auffällig ist nur, wieviele Motorradfahrer uns entgegenkommen. Ob heute ein Bikertreffen am Long Beach stattfindet?

In Port Alberni tanken wir noch einmal auf, ehe wir um 14 Uhr in Nanaimo vor der Fähre stehen.

Eigentlich wollten wir ja noch zu einem Burger King gefahren sein, aber komischerweise haben wir dieses mal keinen einzigen gesehen. Da wir aber eh‘ eineinhalb Stunden warten müssen, bis wir auf eine freie Fähre kommen, schmieren wir uns wieder mal ein paar Sandwiches. Ich nutze die Zeit auch, um einige weitere Seiten in einem von Jasmins Büchern zu lesen: „Das Druidentor“ von Fantasy-Altmeister Wolfgang Hohlbein habe ich vor kurzem begonnen.

Nanaimo HafenSchließlich geht es weiter und wir fahren in das hungrig geöffnete Maul der Fähre, die um 16 Uhr ablegt. Das offensichtlich schon etwas ältere und hinreichend mitgenommen wirkende Schiff ist nicht mehr im allerbesten Zustand. Das Deck sieht richtig zerschlissen aus, an vielen Stellen wie von Wurzelwerk eingerissen. Während der Fahrt lenkt mich meine Lektüre von Überlegungen über eine mögliche Schiffskatastrophe ab. Wir sitzen auf Deck, genießen die Sonnenstrahlen und müssen mit anhören, wie ein junges Paar auf afrikanischen Trommeln herumklopft.

Bald ist am Horizont ein hoher Berg mit hellem Gipfel zu sehen – der Mt. Olympic. Wow, welch tolle Sicht herrscht heute; dieser Berg befindet sich im Olympic National Park in den USA! Dann erscheint auch schon die imposante Skyline von Vancouver, aber wir fahren weit daran vorbei. Die Anlegestelle liegt nämlich nördlich der Stadt an der Horseshoe Bay.

Lion's Gate BridgeUm 17 Uhr 35 legen wir an. Wir stehen ganz vorne in der Reihe und denken, dass wir jetzt schnell rauskommen, doch zuerst werden alle Pkws hinausgelassen. Dann aber sind wir dran, und wir fahren inmitten dichten Verkehrs auf dem Highway Richtung Lion’s Gate Bridge. Wir haben uns den Capilano R.V. Park ausgesucht, wo wir unser rollendes Heim für die restlichen Tage unterbringen wollen. Dieser private Campground liegt irgendwo unterhalb des nördlichen Endes der Brücke, und wir suchen uns entsprechend den Weg. Vor einer Ampel herrscht Stau auf dem Linksabbiegerstreifen, und nach einem und dann noch einem Blick auf den Stadtplan entscheiden wir uns, doch geradeaus zu fahren. Wir überqueren eine betonierte Brücke, und siehe da, links an der Straße überrascht uns ein Schild mit der Aufschrift „Capilano R.V. Park“.

Auch hier nehmen sie stolze Preise für eine Übernachtung; 32 Dollar kostet’s uns pro Nacht. Wir machen uns Abendessen, und anschließend treibt es mich noch einmal hinaus. Ich muß mir einen ersten Eindruck von der Stadt machen und nutze die Möglichkeit, über eine Treppe auf die Lion’s Gate Bridge hinaufzusteigen.

Hier herrscht noch reger Verkehr. Die Brücke ist dreispurig befahrbar; die mittlere Spur wird durch Lichtzeichen abwechselnd für die eine oder die andere Richtung freigegeben. Ich laufe auf dem schmalen Bürgersteig dicht neben dem schnell dahinfließenden Verkehr hinüber auf die andere Seite; kein Gitter trennt den Weg von der Fahrbahn. Hinter mir blinkt North Vancouver als ein wahres Lichtermeer an den Hängen des Grouse Mountain, und vor mir, auf der gegenüberliegenden Seite des Burrard Inlet, zeigt die Skyline der Downtown Farbe. Die Brücke senkt sich in den Stanley Park nieder, dessen üppige Waldfläche rabenschwarz da liegt. Sie macht keinen besonders sicheren Eindruck auf mich, sondern erscheint baufällig, mit vielen Rissen im Asphalt. Zum Teil sind sogar Stahlgitter unter der Betondecke des Gehsteigs sichtbar.

Totempfähle Stanley ParkUnter mir tuckert ein Kutter, ein Floß aus Baumstämmen hinter sich herziehend, dicht am Prospect Point, einem der Aussichtspunkte des Stanley Parks, vorbei.

Mit den eingelegten Staun-Pausen benötige ich etwa zwanzig Minuten, bis ich am anderen Ende der Brücke durch eine Unterführung auf die andere Straßenseite gelange. Hier lese ich auf einer Tafel, dass die beiden Löwendenkmäler, die hier das Tor zur Brücke bilden (daher wohl auch der Name), 1939 errichtet wurden, nachdem King George VI und Queen Elizabeth während eines Besuches die Brücke überquert hatten.

Während meines Rückweges auf der anderen Straßenseite werfe ich noch einen Blick zurück auf die nächtliche Innenstadt Vancouvers, über der ein orangefarbenes Licht liegt. Sterne sind so gut wie überhaupt nicht zu sehen, obwohl den ganzen Tag keine einzige Wolke am Himmel stand. Dann beeile ich mich jedoch, zum Campground zurückzukehren, damit sich Jasmin keine unnötigen Sorgen macht…

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