Unerwarteter Aufenthalt in London – „The flight has gone!“

Als wir im Düsseldorfer Flughafen am Schalter von British Airways unser Gepäck aufgeben, denken wir uns noch nichts dabei, als die nette Dame in der blauen Uniform bei dem Versuch, für unseren Anschlußflug in London Bordkarten zu erstellen, erst mit London telefonieren muss. Nach ihrer Rückkehr murmelt sie etwas von „Standby“, unsere Bordkarten bekommen wir jedoch.

Düsseldorfer FlughafenPünktlich können wir unser Transportmittel betreten, und nach den üblichen Anschnallritualen stellt der Kapitän sich vor und teilt mit, dass der Flug dieses mal wahrscheinlich nur eine Stunde dauern wird.

Allerdings scheint unser Gesamtaufenthalt im Flugzeug länger zu dauern, denn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen hebt unser Flugzeug erst knappe sechzig Minuten später vom verlängerten Rheinufer ab – solange haben wir uns auf der Startbahn gelangweilt und die anderen Flieger beim Abflug beobachtet. Aber das beunruhigt uns kaum. In London wird man schon auf uns warten. Jedoch – über London dürfen wir dann noch einige Ehrenrunden drehen, die weitere zwanzig Minuten in Anspruch nehmen, so dass wir erst 20 Uhr 35 Londoner Ortszeit in Heathrow landen.

So langsam werde ich unruhig. Mit den ganzen Kontrollen und dem Transfer vom Terminal 1 (wo wir gelandet sind) zum Terminal 4 (von dem aus die internationalen Flüge starten) ist eine halbe Stunde nicht sehr viel Zeit. Oh – man bemüht sich (oder tut so) und stellt einen Shuttle-Bus direkt an den gelandeten Flieger, um uns eins-mix zum Terminal 4 zu bringen. Doch als wir ziemlich exakt dreißig Minuten später dort den entsprechenden Abflugschalter erreichen, sind die Tore bereits geschlossen, und man teilt uns lapidar mit: „The flight has gone.“

Statt irgendwie auszurasten sind wir wie betäubt. Vielleicht gibt es noch Platz in einer folgenden Maschine, hoffen wir. Aber als wir sehen, dass außer uns noch etwa zwanzig weitere Deutsche dastehen, die man mit einem Achselzucken zum Serviceschalter „World Traveler“ von British Airways geschickt hat, glauben wir nicht mehr daran, heute hier noch weg zu kommen. Und tatsächlich: Wir erfahren, dass unser Flug der letzte nach Kanada gewesen ist an diesem Tag. Der nächste wird erst morgen Nachmittag die luftigen Höhen Richtung Westen erklimmen.

London HeathrowIrritiert stehen wir nun da an besagtem „World Traveler“-Schalter: zwei Dutzend aufgeregt diskutierende, aber ratlos wirkende Kanada-Urlauber, von denen sich einige schon darüber ärgern, dass sie keinen Schlafanzug in ihr Handgepäck gepackt haben. Ein hinzugekommener BA-Mitarbeiter kündigt uns einen „Organizer“ an, der das Chaos beseitigen solle, aber dieser läßt sich auch eine Stunde später noch nicht blicken. Am Schalter teilt man uns dann auch mit, dass der schon längst weg sei. So gesellen wir uns zu einigen anderen Deutschen, die sich inzwischen wieder direkt am Schalter um einem Ersatzflug bemühen – und Erfolg haben. Die turbanisierten indischen Briten auf der anderen Seite versorgen uns sämtlich mit dem Ersatzflug AC 851, der morgen um 15 Uhr 20 startet, und mit einer kostenlosen Übernachtung in einem Londoner Hotel und dem Transport dorthin.

Während der Warterei tauchen so einige wilde Gerüchte und Mutmaßungen auf. Die einen meinen, der Flug sei zu zehn Prozent überbucht gewesen, oder man habe uns extra verspätet ankommen lassen, um unsere Plätze als Last-minute-Angebote zu verschachern. Die anderen meinen aber von Dritten, die eben einen solchen Platz gesucht haben, vernommen zu haben, dass der Flug voll gewesen sei. Das konnte ja aber eigentlich gar nicht sein, weil wir ja schließlich nicht drin waren. Das erscheint uns doch alles sehr merkwürdig…

Ein Bus holt uns dann um 23 Uhr vom Flughafen ab und verfrachtet uns nach mehr als einer halben Stunde Fahrt durch die dunkle Hauptstadt des trauernden Großbritannien in das Forum-Hotel. Zuvor hat es noch weitere Aufregung um die Koffer der Gestrandeten gegeben. Ursprünglich sollten sie alle automatisch in den neuen Flug gelangen. Dann forderte man uns aber doch auf, unser Gepäck mit in das Hotel zu nehmen – am Belt One würden wir es abholen können. An dieser Stelle waren wir etwas glücklicher als die anderen. Unsere Koffer fanden wir sofort, aber die meisten anderen vermißten den Großteil ihres Hab und Guts. Erst nach einigem Häckmäck fand man um fünf vor elf heraus, dass ein Container mit Koffern bereits für die Verladung an den Ersatzflug abgestellt worden war. Mann, mann, so eine Aufregung aber auch!

Das Hotel macht einen guten Eindruck, allerdings ist die Luft in unserem Zimmer unheimlich warm und stickig. Um Null Uhr fallen wir in die Kissen, aber ich liege noch lange wach. Dem Ventilator mache ich damit aber keine Konkurrenz – der läuft die ganze Nacht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.