Wetter und Waschpause in Jasper

Welchen Wochentag haben wir eigentlich heute? Donnerstag, oder? Erst jetzt wird uns bewußt, dass man hier die Zeit total vergißt. Alle Tage sind irgendwie gleich.

Zum ersten mal haben wir schlechtes Wetter, und es will nicht aufhören zu regnen. Kalt ist es nicht dabei, aber wir wissen noch nicht so recht, was wir mit dem Tag anfangen sollen.

Wir beschließen, zum Frühstücken nach Jasper hineinzufahren; ich will endlich einmal die berühmten Pancakes mit Sirup essen. Aber da wir mal wieder nicht aufstehen konnten (durch das Catan-Spielen ist es ja auch etwas später geworden), bekommen wir in dem von uns ausgewählten Restaurant kein Pfannkuchen-Frühstück mehr. Also verlagern wir unseren Appetit gleich auf das Mittagessen und bestellen uns zwei dicke Hamburger („Moldi’s Burger – it’s loaded!“). Kaffee gibt es bis zum Abwinken.

Die nächsten Stunden verwenden wir darauf, in einem Waschsalon, dem „Laundromat“, einige unserer Klamotten zu reinigen. Zunächst ist uns nicht ganz klar, wie das hier funktioniert, aber zum Glück treffen wir ein deutsches Paar (so eine Überraschung, nicht?), das uns aufklärt.

Während Jasmin auf die Wäsche wartend in ihrem dicken Buch liest, schaue ich mich noch ein bißchen in den Souvenirshops um. Um halb drei ist die Wäsche sauber und trocken (die Trockner sind riesig hier!), und wir gehen noch einmal los. Jasmin kauft sich ein T-Shirt und ich mir ein Buch mit den schönsten Kurzwanderungen in den kanadischen Rockies. So hat jeder sein Andenken…

Um Viertel vor vier entschließen wir uns dann doch noch zu einer kleinen Tour. Schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung. Eine gute Gelegenheit also, unsere neuen Regenhosen auszuprobieren. Wir suchen uns den Patricia Lake Trail nördlich von Jasper aus. Hier soll man Biber sehen können.

Wir durchqueren Jasper und müssen die Pyramid Lake Road hochfahren. Am Seitenrand entdecken wir ein kapitalen Hirschbullen, der seinen Kopf gesenkt hält und sich selber anpinkelt. Wie appetitlich! Das soll die Weibchen anlocken?

Wir stellen unser Fahrzeug auf dem Parkplatz vor einem Reitstall ab, packen uns regendicht ein und stapfen los. Aber schon nach einigen Dutzend Metern bereuen wir unser Vorhaben. Wir haben uns nichts dabei gedacht, dass dieser Weg auch von Reitern benutzt wird, aber nun sehen wir, was das bei diesem Wetter bedeutet: Der Weg ist total matschig, und riesige Löcher, von den Pferdehufen gerissen, veranlassen uns, immer am Rand des Weges halb im Gras und Gebüsch zu gehen. Und überall liegen Pferdeäpfel. Aber der Weg ist ja nicht so lang, irgendwie schaffen wir das schon. Kurz vor dem See geht es ein Stückchen recht steil bergab, und wir hangeln uns zwischen den Bäumen durch, die den Weg säumen. Unten angelangt, hält Jasmin mich an und fragt: „Hast du das auch gehört?“

Ich lausche, höre aber nichts. Jasmin meint, ein Knurren vernommen zu haben. Langsam gehen wir weiter. Der Uferweg ist eine einzige Zumutung, und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in den Matsch hineinrutschen. Hier verläßt uns endgültig die Motivation. Plötzlich höre auch ich ein unheimliches, leises Knurren aus dem Wald. Zunächst denke ich, es ist ein Bootsmotor, drüben von den Patricia Lake Bungalows direkt am See, aber dort tut sich nichts. Vielleicht ist jetzt der richtige Augenblick gekommen, umzukehren. Pfeifend und trällernd folgen wir der Weisung, Lärm zu machen, um Bären zu verscheuchen, und kehren um. Bis hierher hatten wir lediglich ein Drittel des Weges geschafft.

Auf dem Rückweg sind wir etwas schneller. Kurz vor Erreichen des Parkplatzes biegen wir aber an einer Gabelung, an der wir auf unserem Rundweg wieder hätten herauskommen sollen, noch einmal rechts ab und versuchen von hier aus, den Biberburgen nahe zu kommen.

Der Weg ist hier etwas besser, keine Pferde haben ihn verhunzt. Es geht etwas auf und ab, und nach einer Viertelstunde kommen wir oberhalb eines Sumpfgebietes, dem Cottonwood Slough aus dem Wald. Hier sehen wir einige Biberbauten, aber bei dem Regen trauen sich die Tiere anscheinend nicht raus. Plötzlich sehe ich im Matsch einen eindeutigen Pfotenabdruck, von dem ich Jasmin aber nichts erzähle. Will sie ja schließlich nicht unnötig beunruhigen. Dennoch beschließen wir etwas enttäuscht, zurückzukehren, und sind um 18 Uhr wieder zurück im Wohnmobil. Ich bin klatschnaß auf dem Kopf, meine Regenhose hat aber dichtgehalten. Meine Schuhe hingegen nicht so ganz; ich muß sie wohl mal neu imprägnieren.

Zurück auf unserem mit Strom versorgten Stellplatz auf dem Whistlers Campground, den wir uns am Morgen vor unserer Abfahrt noch einmal für heute abend reserviert hatten, kochen wir uns Tee und tauen in der Mikrowelle Gehacktes auf. Der erste Versuch, es dann auch noch zu braten, scheitert wieder einmal an dem Gas-Sensor. Als die Nudeln im Topf gurgeln und das Gehackte in der Pfanne brutzelt, schlägt er los. Wir versuchen es also noch einmal, machen erst nur die Nudeln an, und verbrauchen dabei unser allerletztes Streichholz! Aber Jasmin hat noch ein Feuerzeug mit, dass seinen Dienst jedoch nicht so richtig antreten will. Irgendwie klappt es dann aber doch, mit dem Feuerzeug ein abgebranntes Streichholz wieder zu entfachen, denn mit dem plzpo kriegen wir den Gasherd nicht an.

Insgesamt dreimal geht der Alarm heute abend los, doch schließlich kommt uns die grandiose Idee, ein Trockentuch um den Sensor zu wickeln – natürlich nur während des Kochens! Und morgen müssen wir uns unbedingt neue Streichhölzer besorgen.

Trotz allem versuchen wir unser Abendessen noch zu genießen. Wir genehmigen uns dazu den Wein, den wir uns besorgt hatten, einen sehr süffigen kanadischen Rosé, einen White Cabernet von den Calona Vineyuards, Kelowna, B.C.

Draußen regnet es immer noch; es hat den ganzen Tag nicht einmal aufgehört. Ich schaue mir noch ein bißchen die Faltblätter an, die wir aus dem Info Centre mitgenommen haben. Unter anderem eine Broschüre über die historische Stadt Baxterville. Ich hatte nachgefragt, ob die Stadt um diese Zeit noch geöffnet sei, aber der Mann auf der anderen Seite der Theke kannte sie nicht einmal. Seine Kollegin holte die Broschüre, die er sich daraufhin erst einmal selber neugierig anschaute. „Interessant“, meinte er dann, „muß ich mir auch mal anschauen!“ Ist schon putzig, dass die Leute sich hier in ihrer eigenen Gegend nicht auskennen…

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