Wale Beobachten in Tofino

Whale Watching zum zweiten – Grauwale in Tofino

Heute klingelt der Wecker ausnahmsweise mal schon um sieben, aber die Wirkung verkehrt sich in’s Gegenteil: Wir stehen erst um 9 Uhr 30 auf. Erstaunlich, wie gut wir doch schlafen können, in solchen Schlafsäcken auf einem schmalen Bett, das überhaupt nicht bequem aussieht.

Mein erster Gang ist der zum Anmeldehäuschen, um unseren Platz für die nächsten Abende zu sichern. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil mache ich einen Umweg über den Strand und genieße die morgendliche Idylle am ruhigen Long Beach. Besonders auffällig sind die unzähligen herumliegenden Baumstämme.

Rain Forest Trail A Pacific Rim National ParkUnsere erste kleine Tour heute führt uns auf den Rain Forest Trail A, hinein in den letzten wirklichen Regenwald Nordamerikas. Hier spazieren wir sehr aufschlußreiche 1,01 Kilometer an Baumriesen und Farnen, Pilzen und Bachläufen vorbei. Es hängen putzige Büschel an den Bäumen, und das Licht dringt nicht einmal bis zum Boden.

Gegen mittag fahren wir weiter nach Tofino. Hier wollen wir eine weitere Whale Watching Tour machen; diesmal gibt es Grauwale zu sehen. In dem kleinen Informationszentrum des Ortes erfahren wir dann auch, dass gestern 5 bis 8 Wale in der Cox Bay gesichtet wurden.

Die Stadt selber besteht im wesentlichen nur aus drei querverbundenen Straßen plus einigen Häusern, die etwas außerhalb der Stadt liegen. Einige Läden und Restaurants befinden sich entlang der Hauptstraße. Es gibt einige kleine Hütten, und in den Seitenstraßen liegt zum Teil bergeweise Müll im Vorgarten. Außerdem stinkt es nach Fisch, aber der kleine Hafen beginnt auch schon hinter der nächsten Straße. Zig verschiedene Bootstypen liegen hier vor Anker: von kleinen Motorbooten über Kutter bis hin zur Segelyacht findet man hier alles. Auch sonnenbebrillte Jugendliche mit Goldhalskettchen und Spitzbart, die ihre nackten Oberkörper der Sonne präsentieren und sich anscheinend für eine Segeltour vorbereiten.

TofinoIn einem Geschäft buchen wir eine Whale Watching Tour um 16 Uhr heute nachmittag, bevor wir zum Mittagessen in „The Loft Restaurant“ einkehren. Hier werden wir von zwei jungen deutschen Mädchen bedient, die uns das Nationalgericht servieren: Chicken Burger…

Bevor es zur Waljagd losgeht, buche ich noch schnell in einer niedlichen Bücherei am Hafen eine Sea Kayaking Tour für morgen früh um 9 Uhr. Ich habe vorher davon gelesen und mir gedacht, dass wir so etwas unbedingt auch mitgemacht haben müssen.

Tofino SeelöwenDann geht es los zur Walbesichtigung. Dieses mal sind die Umstände besser als in Victoria. Wir haben tolles Wetter; es ist herrlich warm, und wir bekommen saubere Wetsuits! Kein Dieselgestank, keine schmierigen Finger! Aber als wir dann in den Zodiac einsteigen und von den Dieselwolken des anspringenden Motors eingehüllt werden, ist die Idylle gleich wieder vorbei. Ein junger Bursche gesellt sich zum Fahrer auf die Plattform, und nach etwa 40 Minuten Fahrt mit Unterbrechung zur Bewunderung einiger Prachtexemplare von Seelöwen erreichen wir die Wale.

Zunächst sehen wir nur einige Dunstwolken, die scheinbar schwerelos über den Wellen dahintreiben. Dann aber sehen wir mehr: Ein Maul, einen langen Rücken, eine Flosse. Der Fotoapparat zuckt hoch, und wieder einmal kann ich meinen rechten Zeigefinger kaum zügeln. Eine Stunde kreuzen wir hier zwischen den riesigen Tieren, und der Junge neben dem Fahrer sabbelt in einer Tour in seinem Kaugummi-Englisch und versucht uns was zu erklären. Es ist jedoch einfach nur grausam. Die anderen Fahrgäste stöhnen auch schon. Keiner kann das Gebrabbel mehr an den Ohren haben.

Walbeobachten TofinoViel bekommen wir von den Walen nicht zu sehen, meistens nur ihren langen Rücken samt Flosse und einige Fontänen. Verspielt sind die Tiere überhaupt nicht, dabei hätte ich doch so gern einen springenden Wal fotografiert.

Wir sind natürlich mal wieder nicht die einzigen, die vor dem tollen Küstenpanorama auf Walsuche sind. Sogar Flugzeuge kreisen über uns, um die Wale beobachten zu können. Offiziell müssen die Boote einen Abstand von fünfzig Metern zu den Walen einhalten; unser Skipper scheint sich stets doppelt so weit von den Tieren aufhalten zu wollen. Mike in Victoria war da etwas forscher…

Wir beobachten noch ein letztes mal, wie einer dieser riesigen Meeressäuger vor der schon tief stehenden Sonne Richtung Horizont durch das Wasser dahingleitet, dann geht es zurück nach Tofino. Mit einem Affenzahn schaukeln wir zwischen kleinen Inseln hindurch, die mit wunderschönen, sandigen Buchten locken. Es ist wirklich eine traumhafte Gegend hier. Mit einem Boot könnte man sicherlich einmalige Ecken entdecken.

Um halb sieben sind wir wieder in Tofino, und wir kehren zum Campingplatz zurück, wo wir uns ein leckeres Abendessen zubereiten. Unser Kühlfach macht aus unerfindlichen Gründen langsam schlapp, und nachdem wir bereits gestern nicht mehr ganz tiefgekühlten Fisch und Egg Rolls zu uns genommen haben, müssen heute die Mikrowellennudeln dran glauben. Allerdings gibt es endlich mal wieder ein Fläschchen Wein zum Essen. Im Tofino Liquor Store, der eine ähnlich große Auswahl hat wie unsere hiesigen Getränkemärkte, haben wir uns einen 96er Ernest & Julio Gallo, White Grenache, einen kalifornischen Rosé, gekauft, der auch sehr süffig ist. Prost!

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